So das wars jetzt mit Napster für mich. Seit August 2007 war ich dort Besitzer einer Music-Flatrate. Die Software war zwar etwas langsam und umständlich zu bedienen, aber sie war funktionabel und erfüllte ihren Zweck. Ich nutzte den integrierten Player ohnehin nur selten und lud die Dateien herunter um sie dann über Winamp lokal abzuspielen. Durch den DRM-Schutz war es zwar nicht möglich sie auf mehr als auf zwei Rechnern physisch abzulegen, aber das hat mir auch ausgereicht. Für unterwegs, oder einfach “wo anders” erfüllte die ToGo-Webseite ihren Zweck und streamte die Musik ohne häufig zu buffern in die Ohren. Kurzum: Es war eigentlich alles in bester Ordnung – bis zum Relaunch.
In die angekündigte Fusion mit Rhapsody setzte ich einige Hoffnung auf noch mehr Titel und eine schnellere Software. Was dann aber kam ist nicht nur enttäuschend, sondern einfach nur atemberaubend.
Die Software an sich ist zwar etwas besser, aber es gibt definitiv weniger Musik! Ähhhh. Bei einer Fusion erwartet man wohl eher gegenteiliges. An genauen Zahlen kann ich es nicht fest machen, aber vieles was vom Mainstream abweicht, wurde ganz frech “wegoptimiert”.
Den größten Fail und letztendlich auch mein Kündigungsgrund ist aber ein anderer: Es ist nicht mehr möglich Musik herunterzuladen! WTF? Man kann sich zwar Musik in das “Archiv” downloaden und sie dann offline zwar hören, aber dazu wird zwingend die Napster-Software benötigt. Es ist so ohne weiteres nicht mehr möglich Musik von Napster mit der eigenen MP3 Sammlung in einer Playlist zu kombinieren!
Da die Dateien im Archiv ja irgendwie doch heruntergeladen werden müssen habe ich mich ein wenig schlau gemacht und erfahren, dass sie unter C:\Users\(Benutzername)\AppData\Local\Microsoft\Windows\Temporary Internet Files\ abgelegt sind. Die Dateinamen bestehen aus GUIDs und sind im flv Format abgelegt. Im VLC-Player lassen sich die Dateien aber nur die ersten 30 Sekunden abspielen wie es jedem unautorisierten Nutzer auch möglich ist. Mit ein paar Klimmzügen und einem kostenpflichtigen Konvertierungsprogramm soll es Forenberichten zufolge dann doch “irgendwie” möglich sein die Dateien anständig zu benennen und ins ogg/mp3-Format zu bringen. Doch “irgendwie” ist mir das alles keine 7,99€ im Monat mehr wert, wenn das so einen Mehraufwand für mich bedeutet.
Napsters hat sich um ihr Alleinstellungsmerkmal gebracht. Meines Wissens waren sie der einzige Anbieter, der Musik zum Download in einer bezahlbaren Flatrate angeboten hat. Jetzt sind sie für mich ebenso unbrauchbar wie simfy, rdio und Co. Aus meiner Sicht ist Musik aus der Cloud noch seiner Zeit voraus. Das ganze wird erst dann wirklich nutzbar, wenn es möglich ist überall (-> wirklich überall – also auch im Wald oder in der U-Bahn) eine ausreichend schnelle Internetverbindung zu haben, Datenvolumen für den Endkunden keine preisliche Relevanz mehr hat und Mobiltelefone so stromsparend sind, dass sie nach 5 Stunden Musik aus dem Internet nicht schon die Hälfte ihres Akkus aufgebraucht haben. Da wir von diesen Voraussetzungen noch Meilenweit entfernt sind, wird die Musikindustrie an mir vorerst keinen müden Cent mehr verdienen.
